Auf einen Blick
- Termin
- Meist 25./26. Dezember bis 5./6. Januar
- Nächste Termine
- 2026: 25. Dezember bis 6. Januar · 2027: 25. Dezember bis 6. Januar
- Herkunft
- Volksbrauch im deutschsprachigen Raum und im Alpenland
- Älteste Belege
- Volkskundliche Zeugnisse vor allem ab der frühen Neuzeit
- Im Jahreskreis
- Zwischen Jul und dem Dreikönigstag
- Farben (modern)
- Dunkelblau, Silber, Rauchgrau
- Symbole
- Räucherpfanne, Perchtenmaske, Wilde Jagd, Glocke, Orakelzettel
Termine werden aus der gemeinsamen Festdatenquelle von feder.ink berechnet (Zeitzone Europe/Berlin). Farben, Tarot- und Runenbezüge sind heutige Zuordnungen; die Abschnitte zu Herkunft und Quellen trennen sie vom historisch Belegten.
Datum und astronomischer Zeitpunkt
Die heute verbreitete Zählung umfasst zwölf Nächte vom Weihnachtstag bis zum Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar. Der Mondkalender auf feder.ink benennt jede Nacht nach ihrem Startabend: Die erste Rauhnacht ist die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember.
Andere Überlieferungen beginnen mit der Thomasnacht zum 21. Dezember oder heben nur vier Hauptnächte hervor: Thomasnacht, Christnacht, Silvester und die Nacht vor Dreikönig.
| Jahr | Festtag | Mond am Festtag |
|---|---|---|
| 2026 | 25. Dezember bis 6. Januar | Abnehmender Mond, 97 % beleuchtet |
| 2027 | 25. Dezember bis 6. Januar | Abnehmende Sichel, 6 % beleuchtet |
| 2028 | 25. Dezember bis 6. Januar | Zunehmender Mond, 65 % beleuchtet |
Alle Termine und Mondphasen im Mondkalender.
Herkunft und historische Quellen
Die Nächte heißen auch Raunächte oder Rauchnächte; die Wortherkunft ist umstritten. Eine Deutung führt sie auf mittelhochdeutsch rûch, „haarig“, zurück, bezogen auf pelzige Gestalten; eine andere auf den Rauch beim Ausräuchern von Haus und Stall.
Die zwölf Tage von Weihnachten bis Epiphanias galten in der Kirche schon früh als Festzeit. Im Volksglauben waren sie eine Zeit, in der die Ordnung gelockert war: Geister und Tote zogen umher, Tiere sollten in der Christnacht sprechen.
Eine ältere These erklärt die Nächte aus dem Unterschied zwischen Mondjahr (354 Tage) und Sonnenjahr (365 Tage). Die fehlenden elf Tage oder zwölf Nächte seien „außerhalb der Zeit“ gelegen. Für den germanischen Raum ist diese Erklärung nicht durch Quellen belegt.
Bräuche
Mit einer Pfanne voll Glut und Weihrauch, Wacholder oder Kräutern ging man durch Haus und Stall. In Bayern und Österreich ziehen Perchten mit Masken, Fellen und Glocken durch die Orte. Nach der Sage fährt die Wilde Jagd durch die Lüfte, angeführt von Wodan, Frau Holle oder Perchta.
Wer in den Rauhnächten Wäsche aufhängte, riskierte nach altem Glauben Unglück. Träume galten als Vorzeichen für die zwölf Monate des neuen Jahres. Zu Silvester goss man Blei; seit April 2018 dürfen Bleigieß-Sets mit bleihaltigen Rohlingen in der EU nicht mehr verkauft werden, heute nimmt man Wachs oder Zinn.
Symbole und Farben
Rauch reinigt und schützt, Masken und Glocken vertreiben das Winterdunkel. Zwölf Zettel oder zwölf Kerzen stehen für die zwölf Monate.
Dunkelblau, Silber und Rauchgrau sind heutige Stimmungsfarben, keine überlieferten Festfarben.
Tarot, Runen und Mond
Die folgenden Bezüge sind Zuordnungen von feder.ink und heutiger Praxis; historische Quellen verbinden die Feste weder mit Tarotkarten noch mit Runen.
Tarot
Das Rad des Schicksals. Das Jahr dreht sich weiter; was kommt, ist noch offen.
Der Gehängte. Zeit zwischen den Zeiten: innehalten, anders sehen.
Runen
Hagalaz. Der Hagel: Sturm, Störung und die wilden Kräfte der Winternacht.
Nauthiz. Die Not: Mangel im Winter und der Wunsch, der daraus entsteht.
Mondphase
Die Mondjahr-These verbindet die Rauhnächte mit dem Mond: Zwölf Mondmonate ergeben 354 Tage, das Sonnenjahr hat 365. Ob die Rauhnächte daraus entstanden sind, lässt sich nicht beweisen.
Im Mondkalender stehen alle zwölf Nächte mit ihrer jeweiligen Mondphase. Die Tabelle unten zeigt die Phase in der ersten Rauhnacht.
Moderne Praxis
Heute sind die Rauhnächte vor allem eine Zeit des Rückblicks und der Wünsche. Verbreitet ist ein Ritual mit dreizehn Wunschzetteln, von denen jede Nacht einer ungelesen verbrannt wird; der letzte bleibt für dich selbst. Diese Praxis ist jung und verbreitete sich über Bücher und soziale Medien.
Manche führen ein Rauhnacht-Tagebuch und notieren Träume und Stimmungen jeder Nacht als Ausblick auf den passenden Monat.
Praktisch werden
Lege für jede der zwölf Nächte eine Seite in einem Heft an. Schreibe abends einen Satz zum Tag und morgens, woran du dich aus der Nacht erinnerst. Im Lauf des Jahres kannst du nachlesen, was davon eingetroffen ist und was nicht.
Schlagworte
Bilder
- Räucherpfanne
- Perchtenmaske
- Schellen
- Wilde Jagd
- Schnee
- Kerze
- Zettel
- Stall
Themen
- Zwischen den Jahren
- Zwölf Nächte
- Schutz
- Orakel
- Träume
- Geisterzug
- Ruhe
- Jahreswende
Fragen
- Rückschau
- Wünsche
- Vorsätze
- Achtsamkeit
- Abschied
- Erwartung
- Stille
- Neubeginn
Die zwölfte Seite
Am 5. Januar ist das Heft fast voll. Paul blättert zurück: Elf Nächte, elf Sätze, zwei davon handeln von seiner Schwester.
In der zwölften Nacht träumt er nichts. Morgens schreibt er stattdessen ihre Telefonnummer auf die letzte Seite und ruft an, bevor er den Kaffee aufsetzt.
Eine eigene Geschichte von Feder und Tinte.
Was belegt ist und was modern ist
Belegt sind die zwölf Tage als kirchliche Festzeit, zahlreiche regionale Bräuche wie Räuchern, Perchtenläufe und Orakel sowie die Sage von der Wilden Jagd.
Die Wortherkunft ist offen. Die Mondjahr-These und die Deutung als altgermanisches Fest sind Hypothesen. Das Wunschzettel-Ritual und die meisten heutigen Rauhnacht-Ratgeber sind moderne Praxis.
Quellen
- Wikipedia (deutsch): Raunacht
Zählweisen, Wortherkunft, Bräuche, Mondjahr-These.
- Wikipedia (deutsch): Zwölf Weihnachtstage
Die kirchliche Festzeit.
- Wikipedia (deutsch): Perchten
Perchtenläufe im Alpenraum.
- Wikipedia (deutsch): Wilde Jagd
Sage und Überlieferung.
- Wikipedia (deutsch): Bleigießen
Silvesterorakel und Verkaufsverbot der Bleigieß-Sets seit 2018.
Redaktionsstand: 4. November 2026. Bräuche, moderne Praxis, Schlagworte, Erzählung und Impuls sind eigene Texte; die Erzählungen sind literarische Beispiele, keine historischen Zeugnisse. Die Quellen belegen die jeweils bezeichneten Sachaussagen. Zur Quellenbasis des Jahreskreises.