Auf einen Blick
- Termin
- Wintersonnenwende, 21. oder 22. Dezember
- Nächste Termine
- 2026: 21. Dezember, 21:50 Uhr · 2027: 22. Dezember, 03:42 Uhr
- Herkunft
- Germanischer Sprachraum: gotisch, altenglisch, altnordisch
- Älteste Belege
- Gotisches Kalenderfragment; Beda (725)
- Im Jahresrad
- Wintersonnenwende; Sonne bei 270°, Eintritt in den Steinbock
- Farben (modern)
- Grün, Rot, Gold, Weiß
- Symbole
- Immergrün, Julblock, Licht, Julbock, Sonnenrad
- Tarot
- Der Stern, Der Eremit
Termine werden aus der gemeinsamen Festdatenquelle von feder.ink berechnet (Zeitzone Europe/Berlin). Farben, Tarot- und Runenbezüge sind heutige Zuordnungen; die Abschnitte zu Herkunft und Quellen trennen sie vom historisch Belegten.
Datum und astronomischer Zeitpunkt
Der moderne Jahreskreis feiert Jul an der Wintersonnenwende. Dann erreicht die Sonne 270° ekliptikaler Länge und ihre südlichste Stellung; auf der Nordhalbkugel ist der Tag am kürzesten. Je nach Jahr und Zeitzone fällt das auf den 21. oder 22. Dezember.
Das altnordische Jul lag nach der Hákonar saga góða allerdings auf der „Mittwinternacht“, die nach heutiger Forschung etwa einen Monat nach der Sonnenwende kam. Die Gleichsetzung mit dem astronomischen Datum ist eine spätere Vereinfachung.
| Jahr | Festtag | Zeitpunkt (Berlin) | Mond am Festtag |
|---|---|---|---|
| 2026 | Montag, 21. Dezember | 21:50 Uhr (20:50 UTC) | Zunehmender Mond, 90 % beleuchtet |
| 2027 | Mittwoch, 22. Dezember | 03:42 Uhr (02:42 UTC) | Abnehmende Sichel, 28 % beleuchtet |
| 2028 | Donnerstag, 21. Dezember | 09:20 Uhr (08:20 UTC) | Zunehmende Sichel, 28 % beleuchtet |
Alle Termine und Mondphasen im Mondkalender.
Herkunft und historische Quellen
Das Wort ist alt und weit verbreitet. Ein gotisches Kalenderfragment nennt den Monat fruma jiuleis; Beda Venerabilis überliefert 725 die altenglischen Monate Giuli vor und nach der Jahreswende. Nach Beda begann das Jahr der heidnischen Angelsachsen am 25. Dezember mit der „Mütternacht“ (Mōdraniht).
Snorri Sturluson berichtet in der Hákonar saga góða (um 1230), das heidnische Jul habe mit der Hǫkunacht begonnen und drei Nächte gedauert. König Hákon der Gute habe es auf den Termin des christlichen Weihnachtsfestes verlegt. Zum Fest gehörten Opfer und gemeinsames Trinken, „Jul trinken“.
Jólnir, etwa „der Jul-Mann“, ist einer der vielen Beinamen Odins. In der Skaldendichtung heißen die Götter auch jólnar.
Über Ablauf und Bedeutung des vorchristlichen Festes wissen wir wenig. Die Quellen stammen aus christlicher Zeit und nennen vor allem Termin, Opfermahl und Gelage.
Bräuche
Viele Bräuche verbinden sich heute mit Weihnachten: Immergrün im Haus, der Julklotz, der lange im Herd brennen sollte, und in Skandinavien der Julbock aus Stroh. „Jul“ ist dort bis heute das gewöhnliche Wort für Weihnachten.
Der Julklapp, ein anonym ins Haus geworfenes Geschenk, stammt aus dem Ostseeraum. Lichter und Feuer im dunkelsten Monat gehören zu fast allen Mittwinterbräuchen.
Symbole und Farben
Immergrüne Zweige, Mistel und Stechpalme bleiben grün, wenn alles andere ruht. Kerzen, Feuer und das Sonnenrad stehen für die Rückkehr des Lichts; nach der Sonnenwende werden die Tage wieder länger.
Grün, Rot, Gold und Weiß sind heutige Festfarben, die stark von der Weihnachtstradition geprägt sind.
Tarot, Runen und Mond
Die folgenden Bezüge sind Zuordnungen von feder.ink und heutiger Praxis; historische Quellen verbinden die Feste weder mit Tarotkarten noch mit Runen.
Tarot
Der Stern. Hoffnung in der dunkelsten Zeit: ein kleines Licht, das Richtung gibt.
Der Eremit. Die Laterne in der langen Nacht; Rückzug und Einkehr.
Runen
Dagaz. Der Tag: in heutiger Lesart die Wende vom Dunkel zum Licht.
Isa. Das Eis: Stillstand und Sammlung im tiefen Winter.
Mondphase
Beda beschreibt die altenglischen Monate als Mondmonate; die beiden Giuli lagen um die Jahreswende. Das Fest war damit ursprünglich in einen Mondkalender eingebettet.
Der heutige Jahreskreis richtet Jul nach der Sonne. Die Mondphase der kommenden Sonnenwenden steht in der Tabelle unten.
Moderne Praxis
In Wicca feiert Jul die Wiedergeburt der Sonne, oft im Bild des Sonnenkindes, das die Göttin gebiert. Das Motiv von Eichen- und Stechpalmenkönig, die um das Jahr ringen, geht auf Robert Graves’ The White Goddess (1948) zurück.
Ásatrú- und heidnische Gemeinschaften im Norden feiern Jul häufig über mehrere Nächte, mit Trinkspruch, Opfergabe und Gemeinschaftsmahl. Druidische Orden nennen die Wintersonnenwende Alban Arthan.
Praktisch werden
Lösche am Abend der Sonnenwende für eine Stunde alle Lampen und entzünde danach eine einzelne Kerze. Schreibe auf, welches kleine Licht du ins neue Jahr tragen willst, und stelle einen Zweig Immergrün dazu.
Schlagworte
Bilder
- Kerze
- Immergrün
- Julblock
- Strohbock
- Mistel
- Schnee
- Sonnenrad
- Herdfeuer
Themen
- Sonnenwende
- Wiederkehr des Lichts
- Gemeinschaft
- Gastmahl
- Opfertrunk
- Jahreswende
- Mütternacht
- Hoffnung
Fragen
- Einkehr
- Geduld
- Zuversicht
- Wärme
- Großzügigkeit
- Ruhe
- Erneuerung
- Treue
Das Licht am Fenster
Im Dorf brennt nach dem Stromausfall kein Licht mehr. Jonas stellt die Sturmlaterne ins Küchenfenster, damit der Nachbar den Weg vom Stall findet.
Nach einer Stunde klopft es. Der Nachbar bringt eine Kanne Tee mit, und weil keiner von beiden fernsehen kann, erzählen sie bis Mitternacht von früheren Wintern.
Eine eigene Geschichte von Feder und Tinte.
Was belegt ist und was modern ist
Belegt sind das Wort Jul in mehreren germanischen Sprachen, Bedas Monatsnamen und die Mütternacht, Snorris Bericht über das nordische Julopfer und viele neuzeitliche Mittwinterbräuche.
Das nordische Jul lag wahrscheinlich nicht auf der Sonnenwende. Sonnenkind, Eichen- und Stechpalmenkönig sind moderne Bilder. Im Nationalsozialismus wurde ein „Julfest“ als völkisches Gegenstück zu Weihnachten propagiert; heutige Feiern stehen in ganz unterschiedlichen Traditionen.
Quellen
- Wikipedia (englisch): Yule
Belege von gotisch bis altnordisch, Hákonar saga, Jólnir.
- Wikipedia (deutsch): Julfest
Überblick und Rezeptionsgeschichte im deutschen Sprachraum.
- Wikipedia (englisch): The Reckoning of Time
Beda Venerabilis, De temporum ratione (725), Kapitel 15 über die altenglischen Monatsnamen.
- Wikipedia (englisch): Mōdraniht
Die Mütternacht bei Beda.
- Wikipedia (englisch): Hákonar saga góða
Snorris Saga über Hákon den Guten.
- U.S. Naval Observatory: Earth’s Seasons
Astronomische Referenz für Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden; zur Prüfung der berechneten Zeitpunkte.
- Ronald Hutton: The Stations of the Sun (Oxford University Press)
Standardwerk zur Geschichte des rituellen Jahres in Britannien; Verlagsseite. Grundlage vieler Abgrenzungen zwischen Beleg und späterer Deutung.
Redaktionsstand: 4. November 2026. Bräuche, moderne Praxis, Schlagworte, Erzählung und Impuls sind eigene Texte; die Erzählungen sind literarische Beispiele, keine historischen Zeugnisse. Die Quellen belegen die jeweils bezeichneten Sachaussagen. Zur Quellenbasis des Jahreskreises.