JAHRESKREIS · JAHRESRAD

Samhain

Das gälische Fest zum Winteranfang: Feuer, Versammlung und offene Feenhügel.

Weitere Namen & SuchbegriffeSamain, Samhuinn, Halloween, Hexenneujahr, Ahnenfest

Samhain: eigene schematische Symboltafel im Jahresrad

Auf einen Blick

Termin
31. Oktober (Abend) bis 1. November
Nächste Termine
2026: 31. Oktober · 2027: 31. Oktober
Astronomischer Kreuzviertelpunkt
2026: 7. November, 10:53 Uhr · 2027: 7. November, 16:39 Uhr
Herkunft
Gälisches Irland und Schottland; Name altirisch Samain
Älteste Belege
Mittelirische Erzählungen (etwa 9.–12. Jahrhundert)
Im Jahresrad
Kreuz­viertel­fest zwischen Herbst-Tagundnacht­gleiche und Winter­sonnen­wende
Farben (modern)
Schwarz, Orange, Dunkelrot
Symbole
Feuer, Rübenlaterne, Apfel, Nuss, Kerze für die Toten

Termine werden aus der gemeinsamen Festdatenquelle von feder.ink berechnet (Zeitzone Europe/Berlin). Farben, Tarot- und Runenbezüge sind heutige Zuordnungen; die Abschnitte zu Herkunft und Quellen trennen sie vom historisch Belegten.

Datum und astronomischer Zeitpunkt

Samhain liegt im Kalender fest auf dem 31. Oktober; gefeiert wird ab dem Abend, denn der gälische Festtag begann mit der Nacht. Mittelalterliche Texte nennen den Termin als Beginn des Winterhalbjahrs.

Astronomisch liegt die Mitte zwischen Herbst-Tagundnachtgleiche und Wintersonnenwende einige Tage später: Dann erreicht die Sonne 225° ekliptikaler Länge, also 15° Skorpion im tropischen Tierkreis. Manche heutige Gruppen feiern an diesem „astronomischen Samhain“.

Berechnet mit Astronomy Engine aus der gemeinsamen Festdatenquelle; Mondphase für 12 Uhr des Festtags.
JahrFesttagKreuzviertelpunkt (Berlin)Mond am Festtag
2026Samstag, 31. Oktober7. November, 10:53 Uhr · Sonne bei 225°Abnehmender Mond, 66 % beleuchtet
2027Sonntag, 31. Oktober7. November, 16:39 Uhr · Sonne bei 225°Zunehmende Sichel, 4 % beleuchtet
2028Dienstag, 31. Oktober6. November, 22:27 Uhr · Sonne bei 225°Zunehmender Mond, 96 % beleuchtet

Alle Termine und Mondphasen im Mondkalender.

Herkunft und historische Quellen

Die Werbung um Emer (Tochmarc Emire) erklärt Samuin als „Ende des Sommers“. Früher sei das Jahr in zwei Hälften geteilt gewesen: Sommer ab Beltaine, Winter von Samuin bis Beltaine. Dieselbe Textstelle nennt auch Oimolc, Beltaine und Brón Trogaill als Jahresmarken.

In der Erzählung Echtra Nerai stellt König Ailill von Connacht seinem Gefolge in der Samain-Nacht eine Mutprobe. Nera gerät dabei in einen Feenhügel (síd). Mehrere Sagen verlegen Begegnungen mit der Anderswelt, Versammlungen und Festmähler auf diesen Termin.

Was in vorchristlicher Zeit an Samain geschah, beschreiben diese christlich überlieferten Texte nur mittelbar. Sie zeigen ein Versammlungs- und Grenzfest; Opferhandlungen oder ein „keltisches Neujahr“ bezeugen sie nicht ausdrücklich.

Volkskundlich gut belegt sind die Bräuche der Neuzeit in Irland, Schottland und auf der Isle of Man. Robert Burns beschreibt 1785 im Gedicht „Halloween“ Orakel mit Nüssen, Äpfeln und Kohlstrünken, wie sie in Schottland üblich waren.

Bräuche

Feuer auf Anhöhen, Verkleidung und Heischegänge (guising) gehörten zum schottischen und irischen Halloween. Ausgehöhlte Rüben mit Licht trugen die Kinder durch die Dörfer; in Nordamerika übernahm der Kürbis diese Rolle.

Liebes- und Zukunftsorakel waren beliebt: Zwei Nüsse ins Feuer legen und beobachten, ob sie ruhig brennen oder auseinanderspringen. Äpfel wurden aus Wasserschüsseln gefischt.

Am 1. und 2. November folgen Allerheiligen und Allerseelen mit Gräberbesuchen. Beide Termine prägen heute das Bild eines Totengedenkens rund um Samhain mit.

Symbole und Farben

Das Feuer steht für den Wechsel in die dunkle Jahreshälfte und für Schutz von Haus und Vieh. Rübe und Kürbis tragen Licht durch die Nacht, Apfel und Nuss stehen für Ernte, Vorrat und Orakel.

Schwarz, Orange und Dunkelrot sind moderne Festfarben, angelehnt an Halloween, Herbstlaub und Feuer. Eine historische Farbordnung für Samain ist nicht überliefert.

Tarot, Runen und Mond

Die folgenden Bezüge sind Zuordnungen von feder.ink und heutiger Praxis; historische Quellen verbinden die Feste weder mit Tarotkarten noch mit Runen.

Tarot

Der Tod. Abschluss und Wandel: Das Laub fällt, ein Kreis schließt sich.

Der Mond. Nacht, Schwellen und das Ungewisse zwischen zwei Welten.

Runen

Eiwaz. Die Eibe ist immergrün und sehr langlebig; heutige Deutungen lesen sie als Achse zwischen Leben und Tod.

Perthro. Name und Bedeutung sind ungeklärt; heute oft mit Los, Geheimnis und Verborgenem verbunden.

Mondphase

Die überlieferten Samain-Texte binden das Fest an den Kalendertag. Der gallische Kalender von Coligny (2. Jahrhundert) kennt einen Monat Samonios; ob er mit Samain zusammenhängt und in welche Jahreszeit er fiel, ist in der Forschung umstritten.

Manche heutige Gruppen feiern beim Neumond nahe Ende Oktober, als dunkelste Nacht des Monats. Welche Phase der Mond an Samhain tatsächlich hat, zeigt die Tabelle unten und der Mondkalender.

Moderne Praxis

In Wicca gehört Samhain zu den vier „großen Sabbaten“ und gilt oft als Beginn des Hexenjahres. Viele Gruppen ehren die Verstorbenen, decken einen zusätzlichen Platz am Tisch („dumb supper“) oder schreiben Briefe an Ahnen.

Keltisch-rekonstruktionistische Gruppen orientieren sich an irischen und schottischen Bräuchen. Halloween ist daneben ein weltliches Volksfest mit Kostümen und Süßigkeiten.

Praktisch werden

Stelle eine Kerze für einen Menschen auf, an den du dich erinnern willst, und schreibe eine Begebenheit mit ihm auf. Lege daneben einen Apfel als Zeichen für die Ernte des Jahres und notiere, was du in den Winter mitnimmst.

Schlagworte

Bilder

  • Feuer
  • Rübenlaterne
  • Feenhügel
  • Apfel
  • Nuss
  • Herbstnacht
  • Kerze
  • Gräber

Themen

  • Winteranfang
  • Erinnerung
  • Ahnen
  • Anderswelt
  • Schwelle
  • Orakel
  • Versammlung
  • Vorrat

Fragen

  • Abschied
  • Rückschau
  • Dank
  • Loslassen
  • Mut
  • Verbundenheit
  • Stille
  • Neuanfang

Die Nuss im Feuer

Mara legt zwei Haselnüsse auf die Glut im Ofen, so wie es ihre Großmutter tat. Eine trägt ihren Namen, die andere den Namen einer Freundin, mit der sie seit dem Sommer kein Wort gewechselt hat.

Die Nüsse rauchen, knacken leise und rollen dann aneinander. Mara lacht über sich selbst, weil sie gespannt hingesehen hat. Später greift sie zum Telefon und schreibt eine kurze Nachricht.

Eine eigene Geschichte von Feder und Tinte.

Was belegt ist und was modern ist

Belegt sind ein Fest namens Samain zum Winteranfang in Irland, Sagen mit Anderswelt-Begegnungen in dieser Nacht und neuzeitliche Halloween-Bräuche in Irland und Schottland.

Unsicher oder modern sind die Deutung als „keltisches Neujahr“ (eine These des 19. Jahrhunderts), die Rede vom „dünnen Schleier“ zwischen den Welten und die Gleichsetzung mit einem allgemeinen Totenfest. Das Jahresrad mit Samhain als Sabbat entstand im 20. Jahrhundert.

Quellen

  1. Wikipedia (deutsch): Samhain

    Überblick zu Namen, Quellen und Bräuchen.

  2. Wikipedia (englisch): Samhain

    Ausführlich zu Echtra Nerai, Coligny-Kalender und Volksbrauch.

  3. Tochmarc Emire (Die Werbung um Emer), englische Übersetzung von Kuno Meyer, CELT

    Mittelirische Erzählung; erklärt Samuin, Oimolc, Beltaine und Brón Trogaill als Jahresmarken und beschreibt die Beltaine-Feuer.

  4. Wikipedia (englisch): Halloween (Gedicht von Robert Burns)

    Gedicht von 1785 mit schottischen Halloween-Orakeln.

  5. Wikipedia (englisch): Coligny calendar

    Gallischer Lunisolarkalender mit dem Monat Samonios.

  6. Ronald Hutton: The Stations of the Sun (Oxford University Press)

    Standardwerk zur Geschichte des rituellen Jahres in Britannien; Verlagsseite. Grundlage vieler Abgrenzungen zwischen Beleg und späterer Deutung.

  7. Wikipedia (englisch): Cross-quarter day

    Kreuzviertelpunkte zwischen Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen und ihre Verbindung mit den gälischen Festen.

Redaktionsstand: 4. November 2026. Bräuche, moderne Praxis, Schlagworte, Erzählung und Impuls sind eigene Texte; die Erzählungen sind literarische Beispiele, keine historischen Zeugnisse. Die Quellen belegen die jeweils bezeichneten Sachaussagen. Zur Quellenbasis des Jahreskreises.