JAHRESKREIS · BRAUCHTUM

Aller­heiligen und Aller­seelen

Zwei christliche Gedenktage im November: die Heiligen und alle Verstorbenen.

Weitere Namen & SuchbegriffeAllerheiligen, Allerseelen, All Saints, All Souls, Hallowmas, Seelentag, Gräbersegnung

Allerheiligen und Allerseelen: eigene schematische Symboltafel im Jahresrad

Auf einen Blick

Termin
1. November (Aller­heiligen) und 2. November (Aller­seelen)
Nächste Termine
2026: 1. November · 2027: 1. November
Herkunft
Westliche Kirche; Aller­heiligen ab dem 8./9. Jahrhundert, Aller­seelen ab um 1000
Älteste Belege
835 (Aller­heiligen im Frankenreich), um 998 (Aller­seelen in Cluny)
Im Jahreskreis
Direkt nach Samhain
Farben
Liturgisch Weiß (Aller­heiligen) und Violett oder Schwarz (Aller­seelen)
Symbole
Grablicht, Gesteck, Weihwasser, Seelenbrot, Aller­heiligenstriezel

Termine werden aus der gemeinsamen Festdatenquelle von feder.ink berechnet (Zeitzone Europe/Berlin). Farben, Tarot- und Runenbezüge sind heutige Zuordnungen; die Abschnitte zu Herkunft und Quellen trennen sie vom historisch Belegten.

Datum und astronomischer Zeitpunkt

Allerheiligen ist am 1. November, Allerseelen am 2. November. Beide Tage folgen dem festen Kalender.

Allerheiligen ist gesetzlicher Feiertag in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland sowie in Österreich. Deshalb finden Gräberbesuch und Gräbersegnung oft schon am Nachmittag des 1. November statt.

Allerheiligen; Allerseelen folgt jeweils am Tag danach. Berechnet mit Astronomy Engine aus der gemeinsamen Festdatenquelle; Mondphase für 12 Uhr des Festtags.
JahrFesttagMond am Festtag
2026Sonntag, 1. NovemberLetztes Viertel, 55 % beleuchtet
2027Montag, 1. NovemberZunehmende Sichel, 9 % beleuchtet
2028Mittwoch, 1. NovemberZunehmender Mond, 99 % beleuchtet

Alle Termine und Mondphasen im Mondkalender.

Herkunft und historische Quellen

Allerheiligen

Das gemeinsame Gedenken aller Märtyrer ist schon in der Spätantike bezeugt. Papst Bonifatius IV. weihte 609 das römische Pantheon Maria und allen Märtyrern. Gregor III. (731–741) richtete in St. Peter eine Kapelle für alle Heiligen ein.

Im Jahr 835 machte Kaiser Ludwig der Fromme auf Anregung Papst Gregors IV. den 1. November im Frankenreich zum verpflichtenden Feiertag. Alcuin feierte das Fest bereits um 800 an diesem Tag.

Allerseelen

Abt Odilo von Cluny führte um 998 für die Klöster seines Verbandes einen Gedenktag für alle Verstorbenen am 2. November ein. Von Cluny aus verbreitete er sich in der westlichen Kirche.

Allerseelen gilt den „armen Seelen“ – nach katholischer Lehre den Verstorbenen, die noch der Läuterung bedürfen. Gebet, Messe und Almosen sollten ihnen helfen.

Verhältnis zu Samhain

Oft heißt es, die Kirche habe Allerheiligen auf den 1. November gelegt, um Samhain zu überlagern. Das ist umstritten: Irische Martyrologien um 800 kennen ein Fest aller Heiligen Europas am 20. April, und der Novembertermin setzte sich vom Frankenreich und England her durch.

Sicher ist, dass Allerheiligen, Allerseelen und der Vorabend Halloween (All Hallows’ Eve) heute gemeinsam mit Samhain ein Bild vom Totengedenken Anfang November prägen.

Bräuche

Familien schmücken die Gräber mit Gestecken und Heidekraut und zünden rote Grablichter an. Priester segnen die Gräber mit Weihwasser. In Bayern und Österreich bekommen Patenkinder einen Allerheiligenstriezel, ein geflochtenes Hefegebäck; vielerorts backte man Seelenbrote für Arme.

In Mexiko feiert man am 1. und 2. November den Día de Muertos mit Altären, Fotos und Ringelblumen, ein eigenes Totenfest mit indigenen und katholischen Wurzeln.

Symbole und Farben

Das Grablicht ist das bekannteste Zeichen: ein Licht für die Verstorbenen in der dunklen Jahreszeit. Weihwasser und Segen stehen für den Glauben an die Auferstehung, Striezel und Seelenbrot für das Teilen mit Lebenden und Toten.

Die liturgischen Farben sind Weiß für das Fest der Heiligen und Violett oder Schwarz für das Totengedenken.

Tarot, Runen und Mond

Die folgenden Bezüge sind Zuordnungen von feder.ink und heutiger Praxis; historische Quellen verbinden die Feste weder mit Tarotkarten noch mit Runen.

Tarot

Das Gericht. Die Karte zeigt die Auferstehung der Toten in christlicher Bildsprache.

Sechs der Kelche. Erinnerung, Kindheit und die Verbindung zu früheren Generationen.

Runen

Othala. Erbe und Herkunft: die Familie über die Generationen.

Algiz. Schutz; in heutiger Lesart auch Beistand für die Verstorbenen.

Mondphase

Beide Tage folgen dem festen Kalender der Kirche. Anders als Ostern haben sie keinen Mondbezug.

Die Mondphase an Allerheiligen der kommenden Jahre steht in der Tabelle unten.

Moderne Praxis

Für viele Menschen sind Allerheiligen und Allerseelen vor allem Familientage mit Friedhofsbesuch, auch ohne enge Bindung an die Kirche.

Neuheidnische Gruppen begehen um dieselbe Zeit Samhain mit Ahnengedenken. Beide Traditionen stehen nebeneinander, ohne dieselbe Herkunft zu haben.

Praktisch werden

Besuche das Grab eines Menschen, der dir wichtig war, oder stelle zu Hause ein Foto mit einer Kerze auf. Erzähle eine Geschichte über diesen Menschen, die dein Gegenüber noch nicht kennt.

Schlagworte

Bilder

  • Grablicht
  • Friedhof
  • Gesteck
  • Heidekraut
  • Weihwasser
  • Striezel
  • Nebel
  • Glocke

Themen

  • Totengedenken
  • Heilige
  • Arme Seelen
  • Gräbersegnung
  • Feiertag
  • Familie
  • Fürbitte
  • Erinnerung

Fragen

  • Trauer
  • Dankbarkeit
  • Herkunft
  • Verbundenheit
  • Trost
  • Abschied
  • Hoffnung
  • Gemeinschaft

Das dritte Licht

Auf dem Grab der Großeltern stehen zwei rote Lichter. Clara stellt ein drittes dazu, für den Hund, der im Sommer gestorben ist und nicht hier liegt.

Ihr Bruder sagt nichts. Auf dem Rückweg erzählt er, wie der Hund einmal den ganzen Sonntagsbraten vom Tisch gezogen hat, und beide lachen auf dem Friedhofsweg.

Eine eigene Geschichte von Feder und Tinte.

Was belegt ist und was modern ist

Belegt sind die Entwicklung von Allerheiligen bis zur Festlegung 835, Odilos Allerseelen-Gedenken um 998 und die genannten Bräuche des Gräberbesuchs.

Ob der Novembertermin bewusst gegen Samhain gewählt wurde, ist nicht belegt. Tarot- und Runenbezüge sind moderne Zuordnungen dieser Seite.

Warum ein Eintrag: Beide Tage folgen direkt aufeinander, ihre Bräuche gehen im Alltag ineinander über und ihre Quellen überschneiden sich stark. Zwei getrennte Seiten würden sich weitgehend wiederholen. Die Abschnitte Allerheiligen und Allerseelen sind einzeln verlinkbar.

Quellen

  1. Wikipedia (deutsch): Allerheiligen

    Geschichte und Brauchtum.

  2. Wikipedia (deutsch): Allerseelen

    Odilo von Cluny und Gedenktag.

  3. Wikipedia (englisch): All Saints’ Day

    Gregor III., Ludwig der Fromme 835, irische Martyrologien.

  4. Wikipedia (englisch): All Souls’ Day

    Allerseelen in der westlichen Kirche.

  5. Wikipedia (deutsch): Odilo von Cluny

    Abt von Cluny.

  6. Ronald Hutton: The Stations of the Sun (Oxford University Press)

    Standardwerk zur Geschichte des rituellen Jahres in Britannien; Verlagsseite. Grundlage vieler Abgrenzungen zwischen Beleg und späterer Deutung.

Redaktionsstand: 4. November 2026. Bräuche, moderne Praxis, Schlagworte, Erzählung und Impuls sind eigene Texte; die Erzählungen sind literarische Beispiele, keine historischen Zeugnisse. Die Quellen belegen die jeweils bezeichneten Sachaussagen. Zur Quellenbasis des Jahreskreises.